In einem Gewerbebau mit elf Access Points störten sich die Geräte gegenseitig. Nach einer Messung haben wir vier abgebaut, die verbleibenden neu eingestellt und zwei versetzt. Die Verbindungsabbrüche verschwanden, die Übertragungsrate an den schlechtesten Stellen verdoppelte sich. Gekauft wurde nichts.
Warum mehr Sender schaden können
WLAN funktioniert über eine begrenzte Zahl von Funkkanälen. Zwei Sender auf demselben Kanal in Hörweite teilen sich die Luft: Jeder wartet, bis der andere fertig gesendet hat. Aus zwei starken Sendern wird so einer mit halber Leistung.
Dazu kommt das Verhalten der Endgeräte. Ein Notebook wechselt den Sender erst, wenn das Signal deutlich schlechter wird. Wo überall starkes Signal ist, klebt es am ersten Sender fest, auch wenn es längst näher bei einem anderen steht.
Das Ergebnis ist das bekannte Muster: Der Balken zeigt volle Stärke, und trotzdem bricht die Videokonferenz ab.
Was eine Messung tatsächlich macht
Eine Ausmessung ist keine Software, die man laufen lässt, sondern ein Rundgang. Mit einem Messgerät wird das Gebäude abgeschritten und an jeder Stelle festgehalten, welche Sender wie stark ankommen und auf welchen Kanälen.
- Signalstärke je Sender und Position
- Störquellen ausserhalb des eigenen Netzes – Nachbarn, Funkstrecken, defekte Geräte
- Überlappung: wo empfangen Geräte drei oder mehr eigene Sender gleich stark?
- Tatsächliche Übertragungsrate, nicht die theoretische
Für einen Gewerbebau mittlerer Grösse dauert das einen halben Tag. Das Ergebnis ist ein Plan mit Farben, den auch jemand ohne Funktechnikkenntnisse lesen kann.
Der Fall im Gewerbebau
Ausgangslage: elf Access Points auf zwei Stockwerken, über die Jahre nachgerüstet, alle auf höchster Sendeleistung und automatischer Kanalwahl. Beschwerden über Abbrüche in Besprechungsräumen und im Lager.
Die Messung zeigte, dass sich sieben der elf Sender gegenseitig auf denselben Kanälen überlagerten. Im Lager dagegen war ein toter Winkel, weil der nächste Sender hinter einer Betonwand hing.
Massnahmen: vier Sender abgebaut, zwei versetzt, Sendeleistung auf allen reduziert, Kanäle fest vergeben statt automatisch. Aufwand ein Tag, Materialkosten null.
Ergebnis nach der Nachmessung: keine Überlagerung mehr, im Lager durchgehende Abdeckung, an den zuvor schlechtesten Stellen etwa doppelte Übertragungsrate.
Was oft die eigentliche Ursache ist
Nicht jedes WLAN-Problem ist ein WLAN-Problem. Häufig liegt die Ursache dahinter: eine überlastete Internetleitung, ein defekter Switch-Anschluss, ein Server, der langsam antwortet.
Das lässt sich unterscheiden, indem man dasselbe Gerät einmal über Kabel und einmal über Funk misst. Ist es über Kabel genauso langsam, hat das WLAN nichts damit zu tun.
Diese Prüfung dauert zehn Minuten und erspart regelmässig eine Beschaffung, die nichts gebracht hätte.
