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Digitalisierung & Prozesse5 Min. Lesezeit

Einen Ablauf aufnehmen: zwei Stunden, ein Blatt Papier, keine Software

Bevor man einen Ablauf verbessert, muss man ihn kennen. Nicht wie er beschrieben ist, sondern wie er tatsächlich läuft. Dafür braucht es zwei Stunden und die richtigen Leute im Raum.

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Das Wichtigste in Kürze

Setzen Sie die Personen zusammen, die den Ablauf ausführen – nicht die, die ihn verantworten. Gehen Sie ihn rückwärts durch, vom Ergebnis zum Anfang. Notieren Sie bei jedem Schritt, wer, wie lange, worauf gewartet wird. Die Wartezeiten sind fast immer die Antwort.

Wer im Raum sein muss

Die Personen, die den Ablauf täglich ausführen. Nicht die Abteilungsleitung, nicht die Geschäftsleitung – jedenfalls nicht in dieser Runde.

Der Grund ist einfach: Wer verantwortet, kennt den Ablauf, wie er sein sollte. Wer ausführt, kennt ihn, wie er ist, samt aller Umwege, die entstanden sind, weil der offizielle Weg nicht funktioniert.

Genau diese Umwege sind das Interessante. Sie zeigen, wo der beschriebene Ablauf an der Wirklichkeit vorbeigeht.

Damit sie zur Sprache kommen, braucht es die Zusicherung, dass niemand dafür belangt wird. Ohne diese Zusicherung hören Sie den offiziellen Ablauf und haben zwei Stunden verloren.

Rückwärts durchgehen

Beginnen Sie beim Ergebnis: Was liegt am Ende vor, und wer bekommt es? Dann fragen Sie: Was musste vorher passieren, damit das entstehen konnte? Und so weiter, bis zum Auslöser.

Der Rückwärtsgang verhindert, dass man in der gewohnten Erzählung stecken bleibt. Vorwärts erzählt jeder den Ablauf, wie er ihn gelernt hat; rückwärts muss man tatsächlich nachdenken.

Notiert wird auf einem Blatt oder an der Wand, ein Schritt pro Zettel. Keine Software – sie lenkt ab und verlangsamt.

Die drei Angaben pro Schritt

  • Wer macht es? Eine Rolle, kein Name.
  • Wie lange dauert die eigentliche Arbeit? Meist Minuten.
  • Wie lange liegt es, bevor der nächste Schritt beginnt? Meist Tage.

Der Unterschied zwischen der zweiten und der dritten Angabe ist die eigentliche Erkenntnis. In fast jedem Ablauf beträgt die Bearbeitungszeit wenige Prozent der Durchlaufzeit.

Das heisst: Wer den Ablauf beschleunigen will, muss nicht schneller arbeiten. Er muss die Liegezeiten angehen – und die entstehen an Übergaben, bei Freigaben und beim Warten auf Rückfragen.

Was man mit dem Ergebnis macht

Aus der Aufnahme entstehen typischerweise drei Arten von Massnahmen. Erstens: Schritte, die ersatzlos gestrichen werden können, weil ihr Ergebnis niemand braucht.

Zweitens: Übergaben, die zusammengelegt werden können, weil zwei Personen dasselbe prüfen. Drittens: Wartezeiten, die durch eine Vertretungsregel oder eine automatische Erinnerung verkürzt werden.

Erst wenn diese drei ausgeschöpft sind, stellt sich die Frage nach Technik. Häufig ist der Ablauf dann schon halbiert.

Warum die Aufnahme wiederholt werden sollte

Abläufe verändern sich, meist unbemerkt. Eine Wiederholung nach einem Jahr zeigt, ob die Massnahmen gehalten haben oder ob sich der alte Weg zurückgeschlichen hat.

Die zweite Aufnahme dauert deutlich kürzer, weil die Struktur schon steht. Eine Stunde reicht meist.

Wer diese Wiederholung einplant, macht aus einer einmaligen Übung eine Gewohnheit. Das ist der Unterschied zwischen einem Projekt und einer Arbeitsweise.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster Digitalisierung & Prozesse. Vollständig behandeln wir das Thema hier: Prozessdigitalisierung · Digitalisierung

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Häufige Fragen

Brauchen wir eine Moderation von aussen?

Nicht zwingend. Hilfreich ist sie dann, wenn im Raum Hierarchie mitspielt oder wenn der Ablauf über Abteilungsgrenzen geht. Eine neutrale Person stellt zudem die naiven Fragen, die intern niemand mehr stellt.

Was, wenn die Beteiligten den Ablauf unterschiedlich beschreiben?

Das ist der Normalfall und ein wertvolles Ergebnis. Wo zwei Personen denselben Schritt anders schildern, gibt es keinen gemeinsamen Ablauf – und genau dort entstehen Fehler.

Wie detailliert soll die Aufnahme sein?

So grob wie möglich, so fein wie nötig. Zehn bis fünfzehn Schritte für einen Ablauf sind ein guter Richtwert. Wer auf fünfzig kommt, hat mehrere Abläufe vermischt.

Welcher Ablauf kostet Sie am meisten Zeit?

Wir nehmen ihn mit Ihnen auf und zeigen, was sich ohne Grossprojekt ändern lässt.

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