+41 44 244 05 42info@swissitmanagement.com
DE
Digitalisierung & Prozesse6 Min. Lesezeit

Vom Papierformular zum Ablauf: wo Prozessdigitalisierung wirklich beginnt

Ein Formular zu digitalisieren ist einfach. Der Grund, warum das Formular existiert, ist der schwierige Teil – und oft der, an dem sich wirklich etwas ändern lässt.

Kostenloses Erstgespräch
Das Wichtigste in Kürze

Wer ein Papierformular eins zu eins in ein digitales verwandelt, hat ein digitales Papierformular. Der Gewinn entsteht erst, wenn man vorher fragt: Wer braucht diese Angabe, wer entscheidet, und welche der drei Unterschriften ist tatsächlich nötig? In einer Gemeinde blieben von sieben Feldern vier übrig und von drei Unterschriften eine.

Der Fehler am Anfang

Die meisten Digitalisierungsvorhaben beginnen mit der Auswahl einer Software. Das ist verständlich – eine Software ist greifbar, hat einen Preis und einen Termin.

Der Ablauf dahinter ist es nicht. Er ist über Jahre gewachsen, niemand hat ihn je aufgeschrieben, und Teile davon existieren nur, weil vor zwölf Jahren einmal etwas schiefging.

Wer die Software zuerst wählt, giesst diesen Ablauf in Beton. Danach ist er nicht mehr verhandelbar, weil das System ihn so vorgibt.

Die drei Fragen vor der Technik

Wer braucht diese Angabe?

Für jedes Feld auf dem Formular: Wer liest es, und was passiert damit? Felder, deren Antwort niemand nennen kann, sind Kandidaten zum Streichen. Sie kosten bei jedem Vorgang Zeit und liefern keinen Nutzen.

Wer entscheidet tatsächlich?

Unterschriften sammeln sich an. Häufig unterschreibt jemand, der den Vorgang gar nicht prüft, sondern nur bestätigt, dass er ihn gesehen hat. Diese Unterschrift lässt sich durch eine Information ersetzen.

Was passiert, wenn niemand reagiert?

Fast jeder Ablauf hat eine Stelle, an der etwas liegen bleibt, wenn eine Person abwesend ist. Diese Stelle zu kennen, ist wichtiger als jede Softwarefunktion.

Der Fall in einer Gemeindeverwaltung

Ausgangslage: ein Antragsformular auf Papier, sieben Felder, drei Unterschriften, Durchlaufzeit im Schnitt elf Tage.

Die Aufnahme ergab, dass zwei Felder von niemandem gelesen wurden – sie stammten aus einer früheren Fassung des Reglements. Ein drittes wurde nur benötigt, um eine Angabe zu wiederholen, die schon im System stand.

Bei den Unterschriften prüfte nur eine Person inhaltlich. Die zweite bestätigte den Eingang, die dritte war eine Kenntnisnahme.

Ergebnis: vier Felder, eine Unterschrift, eine automatische Information an die beiden anderen Stellen. Durchlaufzeit im Schnitt zwei Tage – noch bevor irgendetwas digitalisiert war. Das Formular kam danach ins Web, aber der grösste Teil des Gewinns war schon vorher da.

Was die Technik dann noch beiträgt

Der Rest ist Bequemlichkeit und Nachvollziehbarkeit: Das Formular ist rund um die Uhr erreichbar, Pflichtfelder verhindern unvollständige Anträge, der Stand ist jederzeit sichtbar, und nichts geht auf dem Postweg verloren.

Dazu kommt die Auswertung. Wie viele Anträge pro Monat, wo bleiben sie liegen, welche Rückfragen kommen am häufigsten? Diese Zahlen gibt es auf Papier nicht.

Das ist ein realer Gewinn – aber es ist der zweite, nicht der erste.

Warum man klein anfangen sollte

Ein einzelner Ablauf, vollständig umgesetzt, ist mehr wert als zehn angefangene. Er zeigt allen Beteiligten, was möglich ist, und liefert die Erfahrung für den nächsten.

Wir wählen dafür meistens einen Ablauf mit mittlerer Häufigkeit und geringem Risiko – nicht den wichtigsten und nicht den seltensten. Ferienanträge, Spesenabrechnungen, Materialbestellungen sind gute Kandidaten.

Wichtig ist, dass der gewählte Ablauf einen Verantwortlichen hat, der ihn kennt und Entscheidungen treffen darf. Ohne diese Person wird aus der Aufnahme eine Sitzungsreihe.

Was mit dem Papier passiert

In den meisten Fällen bleibt eine Papiervariante bestehen, zumindest übergangsweise. Das ist kein Scheitern, sondern Rücksicht – nicht alle Beteiligten arbeiten am Bildschirm.

Wichtig ist, dass beide Wege im selben System landen. Ein Papierantrag, der abgetippt wird, ist umständlich, aber nachvollziehbar. Zwei getrennte Ablagen sind der Anfang vom Ende.

Erfahrungsgemäss sinkt der Papieranteil von selbst, sobald der digitale Weg spürbar schneller ist. Man muss ihn nicht verbieten.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster Digitalisierung & Prozesse. Vollständig behandeln wir das Thema hier: Prozessdigitalisierung · Digitalisierung

Weitere Beiträge aus diesem Cluster

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Aufnahme eines Ablaufs?

Für einen überschaubaren Ablauf zwei bis drei Stunden mit den beteiligten Personen. Wer den Ablauf ausführt, weiss am besten, wo es klemmt – die Aufnahme gehört deshalb nicht in die Geschäftsleitung allein.

Brauchen wir dafür eine neue Software?

Häufig nicht. Viele Abläufe lassen sich mit Werkzeugen umsetzen, die im bestehenden Abonnement bereits enthalten sind. Das prüfen wir zuerst.

Was, wenn das Reglement die Unterschriften vorschreibt?

Dann bleiben sie – aber elektronisch. Auch dann lohnt die Frage, ob das Reglement die Zahl der Unterschriften wirklich vorgibt oder ob es sich um eine gewachsene Praxis handelt.

Welcher Ablauf kostet Sie am meisten Zeit?

Wir nehmen ihn mit Ihnen auf und zeigen, was sich ohne Grossprojekt ändern lässt.

Kostenloses Erstgespräch