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Digitalisierung & Prozesse6 Min. Lesezeit

Dieselbe Adresse in vier Systemen: warum Schnittstellen mehr bringen als eine neue Software

In vielen Betrieben wird dieselbe Kundenadresse an vier Stellen gepflegt. Der Reflex ist, eine Software zu suchen, die alles kann. Meistens ist die bessere Antwort eine Verbindung zwischen dem, was schon da ist.

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Das Wichtigste in Kürze

Mehrfacherfassung kostet Zeit und erzeugt Widersprüche. Eine allumfassende Software zu suchen, ist selten der günstigste Weg – häufiger reicht es, ein System zum führenden zu erklären und die anderen daran anzubinden. Entscheidend ist die Frage, welches System die Wahrheit hält.

Woran man das Problem erkennt

  • Dieselbe Angabe wird an mehreren Stellen eingegeben
  • Bei Widersprüchen weiss niemand sicher, welche Fassung stimmt
  • Es gibt eine Tabelle, die als Brücke zwischen zwei Systemen dient
  • Regelmässig exportiert jemand Daten aus einem System, um sie in ein anderes zu importieren
  • Auswertungen dauern lange, weil zuerst Daten zusammengesucht werden müssen

Drei oder mehr dieser Punkte deuten auf ein Schnittstellenproblem hin, nicht auf eine fehlende Software.

Die wichtigste Entscheidung: welches System führt

Bevor irgendetwas verbunden wird, muss für jede Datenart festgelegt sein, welches System die gültige Fassung hält. Kundenadressen im Verkaufssystem, Artikelstammdaten in der Warenwirtschaft, Personaldaten im Lohnsystem.

Diese Festlegung klingt banal und ist der Punkt, an dem die meisten Vorhaben hängen bleiben – weil zwei Abteilungen dasselbe beanspruchen.

Die Regel, die sich bewährt hat: Führend ist das System, in dem die Angabe entsteht. Wo eine Adresse zuerst erfasst wird, gehört sie hin; alle anderen bekommen sie von dort.

Danach fliesst die Information in eine Richtung. Zweiwegabgleiche sind technisch möglich, aber sie erzeugen Konflikte, für die es keine gute automatische Lösung gibt.

Was eine Verbindung kostet

Der Aufwand hängt weniger von der Datenmenge ab als von der Frage, ob beide Systeme eine Schnittstelle anbieten. Moderne Anwendungen tun das fast immer; ältere brauchen einen Umweg über Dateien.

Für eine einfache Verbindung zwischen zwei Systemen mit vorhandenen Schnittstellen rechnen wir mit einigen Tagen Aufwand. Dazu kommt ein laufender Posten für Überwachung und Anpassung, wenn ein Anbieter etwas ändert.

Dem gegenüber steht die eingesparte Erfassungszeit – und der Wegfall der Fehler, die durch Abtippen entstehen. Ab etwa fünfzig Vorgängen pro Woche rechnet sich das in der Regel innerhalb eines Jahres.

Wann eine neue Software doch richtig ist

Wenn eine bestehende Anwendung keine Schnittstelle hat und der Anbieter keine liefern will, ist der Umbau irgendwann teurer als der Ersatz.

Ebenso, wenn ein System seit Jahren nicht weiterentwickelt wird oder auf einer Technik läuft, die keine Sicherheitsaktualisierungen mehr bekommt. Dann ist die Schnittstelle nur ein Aufschub.

Was wir nicht empfehlen, ist der Wechsel auf ein Grosssystem, weil es „alles aus einer Hand" verspricht. Das löst das Schnittstellenproblem, schafft aber eine Abhängigkeit, aus der man schwer wieder herauskommt.

Der Zwischenweg: eine gemeinsame Ablage

Nicht jede Verbindung muss automatisch sein. Für Angaben, die selten ändern, reicht oft eine gemeinsame Liste an einem Ort, auf den alle zugreifen – statt vier Kopien.

Das ist keine elegante Lösung, aber eine, die an einem Nachmittag steht und sofort Widersprüche beseitigt. Für den Anfang ist das mehr wert als ein Projekt, das in sechs Monaten fertig wird.

Wichtig ist auch hier: eine Stelle ist die gültige, alle anderen sind Kopien. Wer das nicht festlegt, hat statt vier Wahrheiten eine fünfte.

Was bei der Auswertung besser wird

Sobald Daten verbunden sind, werden Auswertungen möglich, die vorher unbezahlbar waren: Umsatz je Kundengruppe, Durchlaufzeiten, Auslastung über Monate.

Der Nutzen entsteht dabei nicht durch die Zahl selbst, sondern durch die Regelmässigkeit. Eine monatliche Auswertung, die zehn Minuten kostet, wird gemacht. Eine, die einen halben Tag kostet, wird zweimal gemacht und dann nicht mehr.

Deshalb gehört zur Schnittstelle immer die Frage, welche Auswertung danach automatisch entstehen soll.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster Digitalisierung & Prozesse. Vollständig behandeln wir das Thema hier: Prozessdigitalisierung · Digitalisierung

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Häufige Fragen

Können Sie beliebige Systeme verbinden?

Wo eine Schnittstelle vorhanden ist, in der Regel ja. Wo keine existiert, gibt es Umwege über Dateiaustausch – die funktionieren, sind aber anfälliger und brauchen Überwachung.

Wie sicher ist eine Schnittstelle?

Sie ist ein Zugang wie jeder andere und braucht eigene Zugangsdaten, minimale Berechtigungen und Protokollierung. Eine Schnittstelle mit Administratorrechten ist ein unnötiges Risiko.

Was passiert, wenn ein Anbieter seine Schnittstelle ändert?

Das kommt vor und ist der Grund für den laufenden Posten in der Rechnung. Mit Überwachung merkt man es am selben Tag; ohne merkt man es, wenn Daten seit Wochen fehlen.

Welcher Ablauf kostet Sie am meisten Zeit?

Wir nehmen ihn mit Ihnen auf und zeigen, was sich ohne Grossprojekt ändern lässt.

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