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Digitalisierung & Prozesse6 Min. Lesezeit

Digitalisierung in Etappen: warum das Grossprojekt der teurere Weg ist

Ein Grossprojekt hat einen Vorteil: Es lässt sich gut ankündigen. Alles Übrige spricht dagegen.

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Das Wichtigste in Kürze

Grossprojekte scheitern, weil sich die Voraussetzungen ändern, bevor sie fertig sind, weil niemand mehr weiss, warum eine Entscheidung so getroffen wurde, und weil der Nutzen erst am Schluss kommt. Etappen von acht bis zwölf Wochen mit sichtbarem Ergebnis halten das Vorhaben am Leben.

Warum lange Vorhaben scheitern

Ein Vorhaben über zwei Jahre muss Annahmen treffen, die zu Beginn stimmen und am Ende nicht mehr. Personen wechseln, Anforderungen ändern sich, Anbieter stellen Produkte ein.

Dazu kommt der Verlust an Begründung. Nach einem Jahr weiss niemand mehr, warum eine bestimmte Entscheidung so gefällt wurde – und sie wird trotzdem umgesetzt, weil sie im Konzept steht.

Der dritte Punkt ist der wichtigste: Der Nutzen kommt erst am Schluss. Bis dahin kostet das Vorhaben nur, und jede Verzögerung frisst Rückhalt.

Wie eine Etappe aussieht

  • Acht bis zwölf Wochen von Beginn bis sichtbarem Ergebnis
  • Ein abgegrenzter Ablauf, nicht ein Systembereich
  • Ein Verantwortlicher aus dem Fachbereich, der entscheiden darf
  • Ein Ergebnis, das nutzbar ist, auch wenn danach nichts mehr folgt
  • Eine Auswertung: Was hat sich gemessen verändert?

Der vierte Punkt ist der entscheidende. Eine Etappe, deren Ergebnis erst mit der nächsten nutzbar wird, ist keine Etappe, sondern ein Zwischenstand.

Die Reihenfolge der Etappen

Wir beginnen fast immer mit dem Ablauf, der am häufigsten vorkommt und das geringste Risiko trägt. Nicht mit dem wichtigsten – denn beim ersten Mal macht man Fehler, und die sollen billig sein.

Die zweite Etappe knüpft dort an, wo die erste Fragen aufgeworfen hat. Häufig sind das die Daten: Sobald ein Ablauf digital läuft, fällt auf, dass die Stammdaten Lücken haben.

Erst in der dritten oder vierten Etappe kommen die Abläufe an die Reihe, an denen wirklich viel hängt. Zu diesem Zeitpunkt kennen alle Beteiligten das Vorgehen und die Werkzeuge.

Was zwischen den Etappen passiert

Eine Pause von einigen Wochen ist keine Verzögerung, sondern Teil des Vorgehens. Sie erlaubt, dass sich das Neue setzt, und bringt die Rückmeldungen, die man für die nächste Etappe braucht.

In dieser Zeit fallen die Dinge auf, die in der Einführung niemand bedacht hat – der Sonderfall, die Ausnahme, die Abwesenheitsvertretung.

Wer ohne Pause weitermacht, stapelt diese offenen Punkte auf. Nach der dritten Etappe ist der Stapel höher als der Fortschritt.

Was das für Budget und Planung heisst

Ein Vorgehen in Etappen lässt sich nicht als Gesamtsumme budgetieren – jedenfalls nicht ehrlich. Was möglich ist: ein Budget pro Etappe und eine grobe Vorstellung, wie viele Etappen es werden.

Für Betriebe, die eine Gesamtsumme brauchen, arbeiten wir mit einem Rahmen und rechnen nach Etappe ab. Was nicht gebraucht wird, wird nicht verrechnet.

Der Vorteil für den Kunden: Nach jeder Etappe kann er aufhören. Das ist keine theoretische Möglichkeit – es kommt vor, dass nach zwei Etappen genug erreicht ist und der Rest sich nicht mehr lohnt.

Der Unterschied zu einer Softwareeinführung

Wer eine neue Fachanwendung einführt, kann das nicht in Etappen tun – sie läuft oder sie läuft nicht. Dort gelten andere Regeln, und dort ist eine sorgfältige Planung vorab unerlässlich.

Die Etappenlogik gilt für die Abläufe drumherum: Wer arbeitet wie mit dem System, welche Schritte davor und danach lassen sich vereinfachen, welche Daten fliessen wohin.

Diese Arbeit wird bei Softwareeinführungen regelmässig vergessen, und sie ist der Grund, warum ein technisch erfolgreiches Projekt im Alltag als Rückschritt erlebt wird.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster Digitalisierung & Prozesse. Vollständig behandeln wir das Thema hier: Prozessdigitalisierung · Digitalisierung

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Häufige Fragen

Wie viele Etappen braucht ein mittlerer Betrieb?

Für die Abläufe, die spürbar Zeit kosten, sind es meist drei bis fünf. Danach ist der grosse Teil des Nutzens realisiert und der Rest eine Frage der Feinarbeit.

Können wir zwischen den Etappen den Anbieter wechseln?

Ja, und das ist ein bewusster Vorteil dieses Vorgehens. Jede Etappe ist abgeschlossen und dokumentiert; niemand ist an uns gebunden, um weiterzukommen.

Was, wenn eine Etappe nichts bringt?

Dann sagen wir das in der Auswertung. Es ist besser, nach acht Wochen festzustellen, dass ein Weg nichts bringt, als nach zwei Jahren.

Welcher Ablauf kostet Sie am meisten Zeit?

Wir nehmen ihn mit Ihnen auf und zeigen, was sich ohne Grossprojekt ändern lässt.

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