+41 44 244 05 42info@swissitmanagement.com
DE
Security & Datensicherung6 Min. Lesezeit

Phishing mit dem eigenen Briefkopf: woran man die neue Masche erkennt

Die Zeiten der holprigen Erpressermails sind vorbei. Was heute im Posteingang landet, sieht aus wie interne Post – mit Ihrer Signatur, Ihrem Wortlaut und einem passenden Betreff.

Kostenloses Erstgespräch
Das Wichtigste in Kürze

Verlassen Sie sich nicht mehr auf Sprache und Aussehen. Prüfen Sie stattdessen drei Dinge: Passt die Absenderadresse Zeichen für Zeichen? Wird eine Handlung unter Zeitdruck verlangt? Führt der Link dorthin, wo er zu führen vorgibt? Technisch helfen zwei Einstellungen im Mailsystem mehr als jede Schulung.

Was sich verändert hat

Bis vor wenigen Jahren war schlechtes Deutsch das zuverlässigste Erkennungsmerkmal. Das ist weggefallen. Texte werden heute maschinell erzeugt, sind grammatikalisch einwandfrei und übernehmen den Tonfall echter Geschäftskorrespondenz.

Hinzu kommt die Personalisierung. Angreifer lesen öffentlich verfügbare Informationen – Handelsregister, Website, berufliche Netzwerke – und bauen daraus eine glaubwürdige Geschichte: der Name der Geschäftsführerin, die Bank, mit der man arbeitet, ein laufendes Bauprojekt.

In der gefährlichsten Variante ist tatsächlich ein Postfach übernommen worden. Dann kommt die Nachricht aus einer echten Konversation, hängt sich an einen bestehenden Mailverlauf und ist inhaltlich stimmig.

Drei Prüfungen, die im Alltag funktionieren

Die Adresse Zeichen für Zeichen

Nicht den angezeigten Namen prüfen, sondern die tatsächliche Adresse – und dort auf vertauschte Buchstaben, zusätzliche Bindestriche oder eine andere Endung achten. Eine Adresse auf einer Domain, die der echten zum Verwechseln ähnlich sieht, ist das häufigste Muster.

Zeitdruck und Ausnahme

Fast jeder Angriff verlangt eine Handlung, die eilt und vom normalen Weg abweicht: eine Zahlung heute noch, eine geänderte Kontonummer, eine Freigabe ausserhalb des üblichen Ablaufs. Genau diese Kombination ist das Warnzeichen, unabhängig davon, wie gut die Mail aussieht.

Wohin der Link führt

Den Mauszeiger über den Link halten und die angezeigte Zieladresse lesen, ohne zu klicken. Auf dem Mobiltelefon: lange gedrückt halten. Was im Text steht, hat mit dem Ziel nichts zu tun.

Was technisch mehr hilft als jede Schulung

Schulungen sind sinnvoll, aber sie halten nicht ewig, und im hektischen Moment greift die Routine. Zwei Einstellungen wirken dauerhaft:

  • Externe Absender sichtbar markieren. Eine Kennzeichnung im Betreff oder am Anfang der Nachricht, sobald sie von ausserhalb der eigenen Organisation kommt. Das enttarnt die häufigste Variante – die vermeintlich interne Mail – sofort.
  • Absenderprüfung aktivieren. Die Verfahren SPF, DKIM und DMARC prüfen, ob eine Mail überhaupt von einem berechtigten Server Ihrer Domain stammt. Richtig eingestellt verhindert das, dass jemand in Ihrem Namen schreibt.

Beides ist in einem üblichen Mailsystem an einem halben Tag eingerichtet und kostet danach nichts. Der zweite Punkt schützt zusätzlich Ihre Kunden und Lieferanten vor Nachrichten in Ihrem Namen.

Was tun, wenn es passiert ist

Nicht der Klick ist der Schaden, sondern das, was danach passiert. Wer merkt, dass er Zugangsdaten eingegeben hat, sollte in dieser Reihenfolge handeln:

  • Passwort ändern – zuerst für das betroffene Konto, dann für alle, die dasselbe Passwort hatten
  • Sofort melden, intern und beim IT-Betreuer. Ohne Vorwurf; Verzögerung durch Scham ist der eigentliche Schaden
  • Aktive Sitzungen beenden lassen, damit ein bereits erfolgter Zugriff getrennt wird
  • Weiterleitungsregeln im Postfach prüfen – Angreifer richten häufig eine Kopie an sich selbst ein

Der letzte Punkt wird fast immer vergessen und ist der Grund, warum ein übernommenes Postfach oft monatelang mitgelesen wird.

Der Fall, den wir am häufigsten sehen

Die Variante mit der geänderten Kontonummer ist bei KMU der Klassiker. Eine bekannte Lieferantin schreibt, dass sich die Bankverbindung geändert habe, mit passender Rechnungsnummer und höflichem Ton.

Dagegen hilft keine Technik, sondern ein Ablauf: Änderungen von Bankverbindungen werden telefonisch bestätigt, und zwar über die Nummer aus dem eigenen Adressbuch, nie über die in der Mail. Dieser eine Satz in der Zahlungsrichtlinie hat schon mehr Geld gerettet als jede Firewall.

Der Anruf dauert zwei Minuten und ist auch dann angebracht, wenn die Mail völlig unauffällig ist – gerade dann.

Warum Meldungen wichtiger sind als Trefferquoten

Manche Anbieter messen den Erfolg von Schulungen daran, wie viele Mitarbeitende auf eine Testmail hereinfallen. Diese Zahl sinkt zuverlässig und sagt wenig aus.

Aussagekräftiger ist, wie viele verdächtige Mails gemeldet werden. Eine Belegschaft, die im Zweifel meldet, findet auch Angriffe, die durch alle Filter gekommen sind – und das ist genau der Fall, auf den es ankommt.

Dafür braucht es einen einfachen Meldeweg und die Gewissheit, dass eine Fehlmeldung folgenlos bleibt. Wer für eine überflüssige Meldung einen Kommentar bekommt, meldet beim nächsten Mal nicht mehr.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster Security & Datensicherung. Vollständig behandeln wir das Thema hier: Cyber Security · Datensicherung

Weitere Beiträge aus diesem Cluster

Häufige Fragen

Reicht ein guter Spamfilter nicht aus?

Er fängt den grössten Teil ab. Gezielte Angriffe auf einen bestimmten Betrieb kommen aber häufig durch, weil sie technisch unauffällig sind und keine Massenmerkmale haben. Filter sind notwendig und nicht hinreichend.

Wie oft sollten Mitarbeitende geschult werden?

Einmal jährlich mit einem kurzen, konkreten Termin von etwa einer Stunde – ergänzt durch eine kurze Notiz, wenn eine neue Masche tatsächlich im Betrieb auftaucht. Aktuelle Beispiele wirken besser als allgemeine Regeln.

Was kostet die Absenderprüfung für unsere Domain?

Die Einrichtung von SPF, DKIM und DMARC ist ein einmaliger Aufwand von wenigen Stunden, laufende Kosten fallen keine an. Aufwendiger wird es nur, wenn mehrere Dienste in Ihrem Namen versenden – dann muss jeder einzeln berücksichtigt werden.

Wissen Sie, ob Ihre Daten zurückkommen?

Eine Prüfung der Wiederherstellung dauert wenige Stunden und beantwortet die einzige Frage, die zählt.

Kostenloses Erstgespräch