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Security & Datensicherung6 Min. Lesezeit

Wenn jeder alles sieht: Berechtigungen aufräumen, ohne den Betrieb zu blockieren

Berechtigungen werden vergeben, wenn jemand etwas braucht. Zurückgenommen werden sie fast nie. Nach zehn Jahren sieht in vielen Betrieben jeder alles.

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Das Wichtigste in Kürze

Berechtigungen wachsen einseitig, weil das Vergeben eine Bitte ist und das Entziehen ein Konflikt. Ordnen lässt sich das nur über Rollen statt Einzelpersonen, über einen festen Ablauf beim Austritt und über eine jährliche Durchsicht, die den Fachabteilungen gehört und nicht der Informatik.

Wie es dazu kommt

Am Anfang ist die Struktur sauber. Dann braucht jemand kurzfristig Zugriff auf einen Ordner, um auszuhelfen. Der Zugriff wird gegeben, die Aushilfe endet, die Berechtigung bleibt.

Beim Abteilungswechsel kommen die neuen Rechte dazu, die alten bleiben. Beim Austritt wird das Konto deaktiviert, aber selten aufgeräumt – und wenn ein neuer Mitarbeiter „dieselben Rechte wie sein Vorgänger" bekommt, erbt er die ganze Sammlung.

Niemand macht dabei etwas falsch. Jeder einzelne Schritt ist nachvollziehbar. Nur die Summe stimmt nicht mehr.

Warum das ein Sicherheitsproblem ist

Der offensichtliche Punkt: Wer Zugriff auf alles hat, kann versehentlich alles löschen oder verschieben. Der häufigste Datenverlust in KMU ist kein Angriff, sondern ein falsch gezogener Ordner.

Der wichtigere Punkt: Wird ein Konto übernommen, kann der Angreifer genau so viel wie dieses Konto. Ein Konto mit Zugriff auf alle Freigaben macht aus einem gestohlenen Passwort einen Vollzugriff auf den Betrieb.

Dazu kommt der Datenschutz. Lohndaten, Bewerbungen, Krankmeldungen und Personaldossiers dürfen nicht von der ganzen Belegschaft einsehbar sein – unabhängig davon, ob jemand hineinschaut.

Der Weg zurück, ohne den Betrieb lahmzulegen

Der Fehler beim Aufräumen ist, mit Wegnehmen anzufangen. Das erzeugt sofort Störungen und Widerstand. Wir gehen umgekehrt vor.

  • Aufnehmen. Wer hat heute auf was Zugriff? Ein Bericht über alle Freigaben, lesbar auch für Nicht-Techniker.
  • Rollen bilden. Nicht Personen berechtigen, sondern Funktionen: Buchhaltung, Verkauf, Geschäftsleitung, Projektleitung. Menschen bekommen Rollen, Rollen bekommen Rechte.
  • Parallel führen. Neue Rollen einrichten, alte Rechte zunächst belassen. So merkt niemand etwas, und Fehler in der Rollenzuordnung fallen ohne Schaden auf.
  • Abschalten in Etappen. Alte Einzelrechte bereichsweise entfernen, jeweils mit einer Ansprechperson, die in den Tagen danach erreichbar ist.

Für einen Betrieb mit vierzig Arbeitsplätzen dauert der ganze Vorgang typischerweise vier bis sechs Wochen, davon der grösste Teil Wartezeit zwischen den Etappen.

Die zwei Abläufe, die danach halten müssen

Eintritt und Austritt sind die Stellen, an denen die Ordnung entweder erhalten bleibt oder wieder zerfällt.

Beim Eintritt: Rolle zuweisen, nichts Zusätzliches. Wenn im ersten Monat etwas fehlt, wird die Rolle angepasst – nicht die Person einzeln berechtigt.

Beim Austritt: Konto sperren, Weiterleitung für eine befristete Zeit einrichten, Rollen entziehen, Geräte einziehen, externe Dienste prüfen. Diese Liste gehört zur Austrittscheckliste der Personalabteilung, nicht in den Kopf des IT-Betreuers.

Die jährliche Durchsicht gehört den Fachbereichen

Einmal im Jahr bekommt jede Abteilungsleitung eine Liste: diese Personen haben Zugriff auf diese Bereiche. Die Frage ist einfach – stimmt das noch?

Diese Durchsicht darf nicht bei der Informatik liegen. Wir können sehen, wer Zugriff hat; ob er nötig ist, weiss nur die Fachabteilung.

In der Praxis dauert die Durchsicht pro Abteilung zwanzig Minuten und findet jedes Mal etwas. Wer sie zweimal gemacht hat, will sie nicht mehr missen.

Der Sonderfall: Geschäftsleitung und Administratorkonten

Zwei Gruppen bekommen erfahrungsgemäss zu viele Rechte. Die Geschäftsleitung, weil niemand ihr etwas verweigert. Und die Administratoren, weil es bequem ist.

Für Administratoren gilt der Grundsatz, dass tägliche Arbeit – Mail, Dokumente, Surfen – nie mit dem Administratorkonto erledigt wird. Zwei Konten pro Person, das eine für den Alltag, das andere für Eingriffe.

Für die Geschäftsleitung gilt dasselbe wie für alle: Rolle statt Einzelrechte. Der Zugriff auf Lohndaten hängt an der Funktion, nicht an der Hierarchie.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster Security & Datensicherung. Vollständig behandeln wir das Thema hier: Cyber Security · Datensicherung

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Häufige Fragen

Merken die Mitarbeitenden etwas von der Umstellung?

Wenn sie sauber vorbereitet ist, kaum. Neue Rollen laufen zunächst parallel zu den alten Rechten; erst wenn alles passt, werden die alten entfernt. Für die Tage danach steht eine Ansprechperson bereit.

Wie oft sollte man Berechtigungen prüfen?

Einmal jährlich vollständig, zusätzlich bei jedem Abteilungswechsel und bei jedem Austritt. Der Austritt ist der wichtigste Zeitpunkt und der, der am häufigsten vergessen geht.

Wir haben gewachsene Ordnerstrukturen – muss die zuerst weg?

Nicht zwingend. Eine unübersichtliche Struktur macht die Arbeit aufwendiger, verhindert sie aber nicht. Oft ergibt sich die Neuordnung der Ordner ganz von selbst, sobald die Rollen definiert sind.

Wissen Sie, ob Ihre Daten zurückkommen?

Eine Prüfung der Wiederherstellung dauert wenige Stunden und beantwortet die einzige Frage, die zählt.

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