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Warum wir Tickets nach Ursache sortieren und nicht nach Dringlichkeit

Ein Support, der jede Störung in zwanzig Minuten behebt, sieht auf dem Papier hervorragend aus. Wenn dieselbe Störung dreimal im Monat auftaucht, ist er trotzdem schlecht.

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Das Wichtigste in Kürze

Dringlichkeit sagt, wie schnell etwas weg muss. Ursache sagt, ob es wiederkommt. Wir führen für jeden Kunden eine Liste der Wiederholungsfälle und arbeiten sie ab, statt sie immer wieder neu zu beheben. In einem Betrieb mit vierzig Arbeitsplätzen sind so über ein Jahr rund ein Drittel der Tickets weggefallen.

Das Problem mit der schnellen Lösung

Klassische Supportkennzahlen messen Geschwindigkeit: Zeit bis zur ersten Rückmeldung, Zeit bis zur Lösung, Anzahl erledigter Tickets. Alle drei belohnen dasselbe Verhalten – möglichst rasch möglichst viele Fälle schliessen.

Das ist bei einer einmaligen Störung genau richtig. Bei einer wiederkehrenden Störung führt es dazu, dass niemand mehr nachschaut, warum sie überhaupt entsteht. Der Drucker, der jeden Montag offline ist, wird jeden Montag in vier Minuten wieder online gebracht. Vier Minuten mal fünfzig Wochen sind gut drei Stunden im Jahr – für ein Problem, dessen Ursache in zwanzig Minuten behoben wäre.

Dazu kommt der Teil, den keine Kennzahl erfasst: die Zeit der Anwenderin, die anruft, wartet und dazwischen nicht arbeiten kann. Die ist meist ein Vielfaches der Supportzeit.

Wie wir Wiederholungsfälle sichtbar machen

Jedes Ticket bekommt bei uns neben der Kategorie eine zweite Angabe: die vermutete Ursache. Nicht die Fehlermeldung, sondern das, was dahintersteckt – ein defektes Netzteil, eine falsch gesetzte Berechtigung, ein Treiber, der nach jedem Update zurückfällt.

Einmal im Monat sortieren wir nach dieser Angabe statt nach Datum. Was dabei nach oben rutscht, sind nicht die spektakulären Ausfälle, sondern die kleinen Dinge, die niemand meldet, weil man sich daran gewöhnt hat.

  • Anmeldungen, die morgens zwei Minuten hängen, weil ein Laufwerk nicht verbunden wird
  • Ein Programm, das nach jedem Neustart die Einstellungen vergisst
  • Der Besprechungsraum, in dem der Bildschirm erst beim dritten Versuch erkannt wird
  • Mails an eine bestimmte Adresse, die regelmässig im Spam landen

Keiner dieser Punkte ist ein Notfall. Zusammen sind sie der grösste Posten in der Supportrechnung.

Was das in Zahlen bedeutet

In einem Treuhandbüro mit vierzig Arbeitsplätzen haben wir die Tickets eines Jahres nach Ursache gruppiert. Von 612 Tickets liessen sich 214 auf elf Ursachen zurückführen. Sieben davon waren mit einem Eingriff dauerhaft zu beheben, drei brauchten einen Hardwaretausch, eine blieb offen, weil sie an einer Branchensoftware hing, die wir nicht ändern können.

Im folgenden Jahr sank die Ticketzahl auf 401. Der Aufwand für die Behebung der zehn Ursachen betrug rund zwölf Stunden – gegenüber knapp fünfzig Stunden, die im Jahr davor allein für diese Wiederholungsfälle angefallen waren.

Wichtig dabei: Die Zahl der Tickets ist keine gute Kennzahl für sich allein. Sie kann auch deshalb sinken, weil Leute aufgeben und sich mit Umwegen behelfen. Deshalb fragen wir bei der Auswertung immer auch nach, ob eine bekannte Störung einfach nicht mehr gemeldet wird.

Wann Dringlichkeit trotzdem zählt

Nichts davon ersetzt eine saubere Priorisierung im Tagesgeschäft. Wenn die Buchhaltung am Zahltag nicht auf das System kommt, wird nicht nach Ursachen geforscht, sondern der Zugang wiederhergestellt.

Der Unterschied liegt im Danach. Ein Fall gilt bei uns erst als abgeschlossen, wenn zwei Dinge festgehalten sind: was gemacht wurde und warum es nötig war. Der zweite Teil ist der, der später zählt.

Damit das nicht zur Fleissaufgabe verkommt, halten wir die Notiz kurz. Ein Satz genügt. Wichtig ist, dass er die Ursache benennt und nicht das Symptom.

Was Sie selbst prüfen können

Sie brauchen keinen neuen Dienstleister, um herauszufinden, ob Ihr Support Ursachen behebt oder nur Symptome. Bitten Sie um eine Liste aller Tickets der letzten sechs Monate mit Betreff und Datum, und lesen Sie die Betreffzeilen durch.

Wenn Sie darin dieselbe Formulierung mehr als dreimal finden, haben Sie einen Wiederholungsfall gefunden. Fragen Sie nach, was zur dauerhaften Behebung nötig wäre und was das kostet. Kommt darauf keine klare Antwort, ist das die eigentliche Information.

Eine zweite Prüfung ist noch einfacher: Fragen Sie drei Mitarbeitende, was in der Informatik regelmässig nervt. Was dort genannt wird und in keiner Ticketliste auftaucht, ist der Teil, den man schon aufgegeben hat zu melden.

Warum das für ein Betreuungsabo entscheidend ist

In einem Abo mit fester monatlicher Pauschale liegt das Interesse des Anbieters darin, den Aufwand zu senken. Das klingt zunächst nach einem Nachteil für den Kunden, ist aber genau der richtige Anreiz – sofern die Leistung klar beschrieben ist.

Wer pro Stunde abrechnet, verdient an jedem wiederkehrenden Problem mit. Wir sagen nicht, dass Stundenabrechnung deshalb unseriös ist; die meisten Anbieter arbeiten ordentlich. Aber der Anreiz zeigt in die falsche Richtung, und das sollte man bei der Wahl des Modells wissen.

Wie eine solche Vereinbarung aussehen sollte, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Zum ThemaDieser Beitrag gehört zum Cluster IT-Support & Managed Services. Vollständig behandeln wir das Thema hier: IT-Support · Managed IT Services

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Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich die Ticketzahl spürbar senkt?

Die ersten Ursachen sind meist innerhalb weniger Wochen gefunden und behoben. Ein belastbarer Vergleich braucht dagegen zwölf Monate, weil viele Störungen saisonal sind – Jahresabschluss, Ferienabwesenheiten, Updates im Frühjahr.

Muss ich dafür das Ticketsystem wechseln?

Nein. Jedes gängige System erlaubt ein zusätzliches Feld oder ein Stichwort. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern dass die Ursache überhaupt festgehalten und einmal im Monat ausgewertet wird.

Wir haben keinen eigenen Support – lohnt sich das trotzdem?

Gerade dann. Wenn die IT-Fragen bei einer Person nebenbei landen, fehlt der Überblick am ehesten. Eine einfache Liste mit Datum, Person und Ursache reicht für den Anfang völlig.

Läuft Ihr Support so, wie er sollte?

Wir schauen uns Ihre Tickets der letzten Monate an und sagen Ihnen, wo die Zeit hingeht.

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