Einführungen scheitern selten an der Technik. Sie scheitern daran, dass niemand erklärt hat, welches Problem gelöst werden soll, dass die erste Erfahrung enttäuschend war und dass die Frage nach dem eigenen Arbeitsplatz unbeantwortet blieb. Alle drei lassen sich vorher angehen.
Die erste Erfahrung entscheidet
Wer ein neues Werkzeug zum ersten Mal öffnet und ein mittelmässiges Ergebnis bekommt, kommt nicht wieder. Deshalb ist der erste Termin keine Vorstellung der Funktionen, sondern eine gemeinsame Arbeit an einer echten Aufgabe.
Wir lassen die Teilnehmenden eine Aufgabe mitbringen, die sie tatsächlich vor sich haben – eine Offerte, ein Protokoll, eine Antwort auf eine Reklamation. Danach arbeiten wir eine Stunde daran.
Der Unterschied ist deutlich. Nach einer allgemeinen Vorstellung nutzt etwa ein Drittel das Werkzeug weiter. Nach einer Stunde an der eigenen Aufgabe sind es fast alle.
Die Frage, die alle beschäftigt
Ob offen gestellt oder nicht: In jeder Belegschaft steht die Frage im Raum, ob das Werkzeug den eigenen Arbeitsplatz überflüssig macht. Wer sie nicht anspricht, bekommt keine Zustimmung, sondern höfliches Desinteresse.
Die ehrliche Antwort ist meistens differenziert. In den Betrieben, die wir begleitet haben, ist keine Stelle weggefallen. Verändert hat sich, welche Arbeit anfällt.
Wenn ein Betrieb tatsächlich Stellen abbauen will, sollte er das sagen. Alles andere fliegt spätestens beim zweiten Termin auf und zerstört das Vertrauen für Jahre.
Was in der Praxis funktioniert
- Freiwillig beginnen. Eine kleine Gruppe von Interessierten statt einer Pflichtveranstaltung für alle. Diese Gruppe wird später zur besten Werbung.
- Beispiele aus dem eigenen Haus. Ein Kollege, der zeigt, wie er seine Offertentwürfe macht, überzeugt mehr als jede externe Präsentation.
- Grenzen offen benennen. Wer sagt, wo das Werkzeug schlecht ist, wird beim Rest geglaubt.
- Kurze Wiederholungen. Alle paar Wochen zwanzig Minuten, statt einmal einen halben Tag. Was man nicht wiederholt, verschwindet.
- Eine Ansprechperson im Haus. Jemand, der Fragen beantwortet, ohne dass man extern anfragen muss.
Der letzte Punkt ist der wirksamste. Eine interne Person, die sich auskennt und ansprechbar ist, ersetzt jede Schulungsreihe.
Was man sich sparen kann
Umfangreiche Handbücher werden nicht gelesen. Was hilft, ist eine Seite mit fünf Beispielen aus dem eigenen Betrieb, die man kopieren und anpassen kann.
Ebenso wenig braucht es eine Zertifizierung oder einen Kurs mit Prüfung. Die Werkzeuge sind so gebaut, dass man sie im Gespräch bedient; wer schreiben kann, kann sie bedienen.
Was es hingegen braucht, ist Zeit. Wer die Einführung neben dem Tagesgeschäft ohne freigestellte Stunden erwartet, bekommt sie nicht.
